Ausstellung: "sightseeing" vom 26. Juli - 28. August 2015

Erläuterung und Reflexion von der Kunsthistorikerin Sylvia S. Lehmann zu Ingrid Achsels Bild „Fürstenwalde und ich"

sightseeing © Ingrid Achsel
Sichtweisen auf Städte in Acryllasur

Das Bild „Fürstenwalde und ich" (siehe Bild) erweist sich in all seiner realistischen Gestaltungskraft zuerst als symbolische Reflexion über eine Heimatstadt.

Es ist eine Hommage an Fürstenwalde, in der die Künstlerin und ihr Heimatort gleichermaßen Gestalt annimmt; die biografische Ebene aufscheinen kann und die Wahrzeichen der Stadt auf gleichsam eindrückliche Weise wiedergegeben sind.

So treffen hier zutiefst persönliche Aspekte auf ein bewusst gewähltes Moment des Wiedererkennens, vermitteln dem aufmerksamen Betrachter ein Gefühl dafür, dass hier mehr zusammengefügt ist als die Äußerlichkeiten einer vertrauten Architektur :
Es ist die geheimnisvolle Aura des Bildes, die immer wieder für künstlerische Gespräche und Betrachtungen sorgt.

Das Bild „Fürstenwalde und ich" erscheint wie eine Aufforderung an den sensiblen Betrachter, die Künstlerin in ihrem Werk zu suchen.

Der vielfach verbaute Stein an Fassaden, auf Treppen und gepflasterten Wegen spricht uns an als Teil der Ewigkeit, auch wenn das Bild kein „Steinernes“ geworden ist, denn die Künstlerin hat sich ein Empfinden für den Kreislauf des Lebens bewahrt, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint ( so ist auch die Auswahl bekannter Bauten:  Sankt Marien Dom mit Katzentreppe und Stadtmauer, Bullenturm, Rathausturm, Markgrafenstein als Ausdruck künstlerischer Freiheit zu verstehen).

Dem Bild wohnt eine Stille inne, die dort auf wirkungsvolle Weise unterbrochen ist, wo sich die Künstlerin in ihrem Werk verewigt hat - , Stille trifft auf Leben und Erinnerung. So erfasst unser Auge ein „tanzendes Mädchen“, das uns schemenhaft einem Schattenspiel gleich von den Tagen unbeschwerter Jugend berichten kann.

Doch im Bild ist auch der Augenblick des Aufbruchs in eine „größere Welt“ bewahrt, die Neugierde einer jungen Frau ebenso intuitiv erfasst , wie ihre Sehnsucht auf Wiederkehr. Nicht grundlos ist der Markgrafenstein hier wiedergegeben, denn er steht in besonderer Weise für die Biografie der Künstlerin, für die Teilung ihrer Lebensorte -  Fürstenwalde und Berlin (Granitschale vor dem „Alten Museum") als steinernes Zeugnis hält er die Balance aus Aufbruch und Heimatverbundenheit.